Mehr Tierwohl in Aussicht: Kastenstand in Deutschland bald Geschichte


Erstellt von Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Heute (3.7.) hat der Bundesrat nach langen Verhandlungen die siebte Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung beschlossen. „Die aktuellen Skandale in der Fleischindustrie zeigen, dass sich das System grundlegend ändern muss. Wir brauchen höhere ökologische und soziale Standards. Mit dem heutigen Bundesratsbeschluss erreichen wir in absehbarer Zeit mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung. Kastenstände, die das natürliche Verhalten von Sauen unterdrücken, werden abgeschafft. Das Prinzip der rein ökonomischen Maximierung in der Ferkelzucht hat ausgedient. Wir leiten heute eine historische Trendwende in der Nutztierhaltung ein, indem wir artgerechte Tierhaltung in den Fokus rücken und Ethik über Profit stellen“, sagte Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff. 

Die Siebte Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierverordnung betrifft die Haltung von Schweinen, hier speziell von Sauen zur Ferkelerzeugung. Bisher sind neun Wochen Kastenstandhaltung pro Ferkel-Wurf erlaubt. Sauen verbringen so etwa die Hälfte des Jahres im engen Kastenstand. Die neue Verordnung sieht vor, dass diese Haltung künftig nur noch höchstens 15 Tage pro Jahr erlaubt sein wird, um nach dem Abferkeln und in der Säugezeit die Jungtiere zu schützen. Zudem wird die artgerechte Gruppenhaltung als Standard vorgeschrieben.

„Bisher wurde einer Sau oder Jungsau weniger als zwei Quadratmeter Platz zugestanden. Mit der neuen Verordnung werden es im Schnitt bis zu 5 Quadratmeter. Damit werden die berechtigten Forderungen aus der Gesellschaft nach einer besseren Tierhaltung erfüllt. Es ist ein Paradigmenwechsel, denn die Tiere werden nicht mehr den Betriebsprozessen unterworfen, sondern die Betriebsprozesse dem Tierwohl“, so Hoff und fordert weitere Maßnahmen für mehr Tierwohl. „Mit dem heutigen Beschluss senden wir ein klares Signal an die Bundesregierung, dass ihr Taktieren beim Thema Tierschutz ein Ende haben muss. Endlich gehen wir mit einem Antrag in die Offensive, die guten Empfehlungen der Borchert-Kommission zu mehr Tierschutz in die Praxis umzusetzen. Auf den ersten Schritt wird auch der zweite Schritt folgen, um den Umbau der Tierhaltung in Deutschland voranzubringen. Ökologie und Landwirtschaft sind keine verfeindeten Geschwister, sondern können miteinander vereinbart werden.“

Mit der Verordnung erhalten die Landwirtinnen und Landwirte Planungssicherheit. Damit die Agrarbetriebe ihre Tierhaltung an die veränderten Regelungen anpassen können, werden Übergangsfristen geregelt, die für den Deckbereich mit acht Jahren verhältnismäßig kurz sind. Denn die Betriebe müssen in den ersten drei Jahren ein Umbaukonzept vorlegen sowie innerhalb weiterer fünf Jahre die Genehmigungen eingeholt und die Investition durchgeführt haben. Wird die erste Frist nicht eingehalten, dann muss der Betrieb innerhalb von fünf Jahren die Sauenhaltung aufgeben.

„Dieser Kompromiss setzt nicht alle Interessen durch, aber es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, ohne den alles bliebe wie bisher. Davon hätte kein einziges Schwein etwas. Ein schnellerer Umstieg wäre wünschenswert, führt aber dazu, dass Betriebe die Schweinehaltung ins Ausland verlagern, in denen keine Reform der Tierhaltung auf der Agenda steht. Auch das wäre kein Gewinn für das Tierwohl in Deutschland. Solange die Fleischnachfrage in Deutschland auf so hohem Niveau bleibt, ist es besser, wir haben in absehbarer Zeit eine spürbar verbesserte Tierhaltung bei uns, als importierte Ferkel aus nicht artgerechter Haltung“, sagte Minister Hoff zur Kritik an der Übergangszeit. „Eine Umstellung der Schweinehaltung bedeutet für die Agrarbetriebe neben den Investitionen auch geänderte Betriebsabläufe sowie neue und komplexere Anforderungen an das Betriebsmanagement. Für den Erfolg des neuen Haltungssystems dürfen wir die Betriebe nicht überfordern, sondern werden sie mit Förderung, Bildungs- und Beratungsangeboten unterstützen.“

Der Bund hat Vorschläge für Investitionshilfen unterbreitet, die Hoff jedoch für mangelhaft hält, da diese zunächst auf 2020 und 2021 beschränkt sind. „Angesichts der Zeitabläufe für Planungen, Genehmigungen und Durchführung der Investitionen sind die Ideen des Bundes zu kurz gegriffen“, so Hoff.


gez. Antje Hellmann
Pressesprecherin
 

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