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Energieeffizienz

Gebäude beeinflussen mit rund 40 Prozent maßgeblich den Endenergieverbrauch in Deutschland. Geschätzt wird, dass ca. 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen hier entstehen. In baulichen Anlagen bestehen noch erhebliche Potenziale, Energie und Rohstoffe zu sparen und die für die Umwelt schädlichen Emissionen zu vermindern. Gerade die öffentliche Hand ist angehalten, bei der Sanierung, dem Bau, der Unterhaltung und der Betreibung ihrer Gebäude vorbildlich zu handeln und den Energieverbrauch zu senken.

Ein zentrales Ziel in Thüringen ist daher die kontinuierliche Steigerung der Energieeffizienz in den landeseigenen Gebäuden. Vor diesem Hintergrund hat der Staatliche Hochbau frühzeitig ein entsprechendes Energieeffizienzprogramm aufgestellt. Vielfältige Maßnahmen und Aktivitäten stellen sicher, dass die im Bereich der Energieeffizienz bereits erreichten Ergebnisse gesichert und weiter kontinuierlich ausgebaut werden.

  • Leitlinien Energieeffizienz

    Für alle staatlichen Hochbaumaßnahmen gelten die Leitlinien zur Energieeffizienz.

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    In der  RLBau Thüringen sind die Leitlinien „Klima- und Ressourcenschutz und Energieeinsparung“ im Abschnitt K21 zusammen gefasst. Sie sind damit integraler Bestandteil der Aufgabenstellung für Baumaßnahmen in Landesgebäuden und bei der stufenweisen Erarbeitung und Darstellung der baulichen und technischen Lösung planerisch umzusetzen. Die Ergebnisse sind in einem gebäude- oder liegenschaftsbezogenen Energiekonzept zusammen zu fassen. Eine qualifizierte Objektüberwachung garantiert die hochwertige Bauausführung und die Einhaltung der energetischen Anforderungen.

    Im Landesbau sollen die Grenzwerte nach jeweils gültiger Energieeinsparverordnung um 20 Prozent unterschritten werden. Der Niedrigstenergiestandard, der für Neubauten der öffentlichen Hand ab 2018 verbindlich vorgegeben ist, soll vier Jahre vorfristig bereits ab 2014 eingehalten werden.

    Bei der Aufstellung der Energiekonzepte ist zu prüfen, ob Kraft-Wärme-Kopplung und Erneuerbare Energien eingesetzt werden können. Kleine und Mini-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sollen künftig noch stärker zur Effizienzsteigerung bei der Wärme- und Stromversorgung in Landesgebäuden beitragen. Die Erfahrungen, die bei den bestehenden Anlagen wie beispielsweise in der Justizvollzugsanstalt in Untermaßfeld gewonnen wurden, unterstützen die Projektentwicklung.

    Aktuell werden beispielsweise die Energiekonzepte bei dem Neubau der Jugendstrafanstalt (JSA) Arnstadt sowie den Neubauten für das Landeskriminalamt und die Bereitschaftspolizei in Erfurt umgesetzt. Bei diesen Landesbau­projekten – den aktuell größten Baumaßnahmen im Thüringer Landesbau – werden die Anforder­ungsniveaus der Energieeinspar­verordnung um ca. 20 % unter­schritten.

    Bei der planmäßigen Sanierung des Liegenschaftsbestandes sind neben dem Stand der Technik bereits die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zu berücksichtigen. Die Maßnahmen werden durch Thüringer Hochschulen begleitet und evaluiert. Hochschuleinrichtungen und Verwaltung arbeiten immer enger zusammen. Sie initiieren und unterstützen eine vertiefte Zusammen- und Netzwerkarbeit im Bereich der Energieeffizienz („NaGET“).

    Im Rahmen der Neu-, Um- und Erweiterungsbauten sind die baulichen und technischen Voraussetzungen für ein qualifiziertes Energiecontrolling zu schaffen. Hierzu gehört auch eine bedarfsgerechte Messinfrastruktur für die qualifizierte Betriebsüberwachung, die Anlagenoptimierung und die Erfolgskontrolle von Energieeffizienzmaßnahmen. Fehlende gebäudebezogene Verbrauchszähler für Wärme, Strom und Wasser sind nachzurüsten, Eigenerzeugungsanlagen zu überprüfen und bei Bedarf mit Messeinrichtungen auszustatten.

    Das im Jahr 2009 vom Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr initiierte Projekt „Qualifizierung des Energiecontrollings in Landesliegenschaften“ wird konsequent fortgeführt.

    In der Tranche 1 und 2 des Energiecontrolling-Projekts wurden über 200 Verbrauchszähler in Landesgebäuden nachgerüstet. Bis 2014 werden weitere  150 Zähler in energetisch relevanten Gebäuden geplant und installiert. Ende 2015 sollen die technischen Voraussetzungen für eine flächendeckende gebäudebezoge­ne Verbrauchserfassung in den energetisch relevanten Landes­gebäuden geschaffen sein.

    Projektbilder

  • Nachwuchsförderung Gebäude-Energieeffizienz

    Zwischen der Bauhaus-Universität Weimar und dem Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr wurde im Februar 2011 ein Rahmenkooperationsvertrag mit dem Arbeitstitel „Nachwuchsförderung Gebäude-Energieeffizienz in Thüringen“ (NaGET) abgeschlossen. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurde der Immobilienbestand des Freistaats energetisch analysiert und bewertet sowie Lösungsmöglichkeiten und Umsetzungskonzepte für mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit entwickelt. Im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten wurden Studenten der Bauhaus-Universität Weimar konkrete Aufgaben zur Gebäudeenergieeffizienz übertragen.

    In die NaGET-Untersuchung wurden bezogen auf die Netto-Grundfläche über 50 Prozent der relevanten Landesgebäude einbezogen. Verfügbare oder leicht ermittelbare Objekt- und Energiedaten wurden für die verbrauchsbezogene Gebäudeanalyse verwendet. Die auch als Grobanalyse bezeichnete Untersuchungsmethode lehnt sich an die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) verankerte Aufstellung verbrauchsbezogener Energieausweise an. Die Anhand von drei Jahresverbräuchen ermittelten und bereinigten gebäudebezogenen Verbrauchskennwerte für Heizenergie und Strom wurden mit den Mittel- und Vergleichswerten der Gebäudekategorie nach EnEV verglichen. Die Gebäude wurden in Energieeffizienzklassen eingestuft und das Einsparpotenzial aus der Differenz zu den Vergleichswerten nach EnEV ermittelt. Durch Auswertung u. a. auf Portfolioebene wurden Hochverbrauchergebäude festgestellt.

    In enger Abstimmung mit NaGET wurde Ende 2012 ein externer Energieberater pilothaft mit der energetischen Feinanalyse für die energetisch auffällige Universitätsbibliothek Erfurt beauftragt. Die Feinanalyse verdeutlichte die energetischen Schwachstellen und bestätigte das hohe Einsparpotenzial aus der Grobanalyse. Aus dem 30 Einzelmaßnahmen umfassenden Effizienzpaket wurden die besonders wirtschaftlichen Energiesparmaßnahmen ausgewählt. Sie wurden im Jahr 2013 geplant und sollen im Frühjahr 2014 realisiert werden. Ein sich unmittelbar an die Fertigstellung anschließendes Monitoring soll die Ergebnisse der Effizienzmaßnahmen fortlaufend überwachen und Rückschlüsse für andere Hochverbrauchergebäude liefern.

    Gebäudebezogene Feinanalysen sollen an weiteren Hochverbrauchergebäuden durchgeführt werden. Die wirtschaftlichen Energiesparmaßnahmen sollen sowohl klassisch über den Hochbauhaushalt als auch alternativ über Contracting oder „revolvierende Fonds“ finanziert werden.

    Die Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar schuf eine neue „energetische Transparenz“ unter den Landesgebäuden und damit die Grundlage für energieeffizientere landeseigene Gebäude. Das Vorgehen kann auch für andere Gebäudeeigentümer und ‑betreiber interessant sein, die ein großes Gebäudeportfolio mit einem vertretbaren Aufwand energetisch bewerten, Gebäude mit einem hohen Einsparpotenzial ermitteln und Prioritäten für Sanierungsmaßnahmen abgeleiten wollen.

    Bericht zur Bestandsaufnahme und Energieeffizienz-Potenzialanalyse für die Gebäude des Freistaats Thüringen

     

     

     

  • Förderung der energetischen Sanierung der Landesgebäude

    Hintergrund

    Der Freistaat Thüringen ist Eigentümer von 1.750 Gebäuden mit einer Nettogrundfläche von über zwei Millionen Quadratmetern. 900 Gebäude aus dem Gebäudeportfolio sind energetisch relevant. Im Jahr 2013 lag der Wärmeverbrauch der Landesgebäude bei ca. 170 GWh, der Stromverbrauch bei ca. 120 GWh. Zwischen 2001 und 2011 sank der auf die Nettogrundfläche bezogene spezifische Wärmeverbrauch um 12 % auf 89 kWh/m²*a. Gleichwohl verdoppelten sich die Energiekosten im gleichen Zeitraum auf fast 35 Millionen Euro.

    Die Energiekosten werden zu einer immer stärkeren Haushaltsbelastung. Der Kostendruck steigt. Im Zuge fallender Zuweisungen und der Vermeidung neuer Schulden nimmt der Handlungsspielraum tendenziell ab. Neue Wege sind gefragt, damit weiter aktiv gestaltet werden kann.

    Strategie

    Gerade auch bei der Betreibung, Unterhaltung und Sanierung der Gebäude ist die öffentliche Hand angehalten, vorbildlich zu handeln. Klimaschutz, Ressourcenschutz und Energieeinsparung erfordern gezielte Strategien für nachhaltige Lösungen, insbesondere im Gebäudebereich. Im Landesbau gilt der 2013 vorgelegte Abschlussbericht „Nachwuchsförderung Gebäude-Energieeffizienz in Thüringen“ (NaGET) als Leitfaden für die Umsetzung der Energieeffizienzstrategie. Er beschreibt das planmäßige, fachlich fundierte, auf einer gesicherten Datengrundlage basierende Vorgehen für mehr Energie- und Kosteneffizienz der Landesgebäude.

    Zwei Schlüsselpositionen auf dem anspruchsvollen Weg sind die Steigerung der Energieeffizienz der Landesgebäude und der planvolle Ausbau der erneuerbaren Energien.

    Die kontinuierliche Steigerung der Energieeffizienz und der Ausbau der erneuerbaren Energien erfordern ausreichende Finanzmittel zur Planung und zeitnahen Realisierung der Effizienzmaßnahmen. Neben dem Landeshaushalt werden hierzu auch bestehende Fördermöglichkeiten des Bundes und der Europäischen Union herangezogen, u. a. das Operationelle Programm Thüringen EFRE 2014-2020.

    Dadurch wird es möglich das ressourcenschonende Bauen und die vielfältigen Effizienz- und Ausbaumaßnahmen umzusetzen und die im Bereich der Energieeffizienz in Landesgebäuden bereits erreichten Ergebnisse zu sichern und kontinuierlich auszubauen.

    Beispiel

    „Sportgymnasium Jena, energetischen Sanierung der Sporthalle“

    Zum Sportgymnasium Jena „Johann Chr. Fr. GutsMuths“ gehören neben der Sporthalle ein Schulgebäude, das Internat und die Mensa. Die Sporthalle wurde als Doppelsporthalle in den Jahren 1976/77 errichtet. Die Bruttogrundfläche beträgt 3.126 m², der Bruttorauminhalt 27.198 m³. Durch das Sportgymnasium Jena werden die Sportarten Badminton, Basketball, Bogenschießen, Fechten, Fußball, Judo, Leichtathletik, Ringen und Triathlon angeboten.

    Die in den letzten Jahren im Rahmen des Energiecontrollings durchgeführten Überprüfungen dokumentierten einen hohen Energieverbrauch, auch im Vergleich zu anderen Sporthallen. Nähere Untersuchungen verdeutlichten, dass insbesondere bei vielen technischen Anlagen die normative Nutzungsdauer überschritten war, heute übliche Standards nicht erfüllt werden und die Nachrüstung von Komponenten nicht mehr möglich ist. Besonders betroffen waren die lüftungs-, heizungs- und beleuchtungstechnischen Anlagen der Doppelsporthalle.

    Folgerichtig wurde im Hebst 2014 entschieden, die Sporthalle energetisch zu sanieren.

    Für die energetische Sanierung der Sporthalle des Sportgymnasiums Jena wurden auch Fördermittel des Bundes einbezogen. Die Bundesmittel wurden eingesetzt für die dringend notwendige Sanierung der Lüftung in der Sporthalle (Aktenzeichnen der Förderung: 03K01332) sowie die Sanierung der Sporthallenbeleuchtung und Innenräume (Aktenzeichnen der Förderung: 03K00284). Der Förderzeitraum erstreckte sich von März 2015 bis Februar 2016.

    Im Rahmen der komplexen Baumaßnahme wurden unter anderem zwei vorhandene Zuluft- und Abluftgeräte ohne Umluft und ohne Wärmerückgewinnung für die Fechthalle, ein Lager- und zwei Trainerräume durch ein zentrales RLT-Gerät der Energieeffizienzklasse A+ mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung der Klasse H1 ersetzt. Für den südlich des Technikraumes gelegenen Umkleide- und Sanitärbereich wurden sieben einzelne Lüftungsanlagen ohne Wärmerückgewinnung durch eine hocheffiziente Lüftungszentrale mit Wärmerückgewinnung ersetzt. Zur Einregulierung der Luftmengen und zum Abgleich der Volumenströme innerhalb des Kanalnetzes wurden Drosselklappen und Volumenstromregler eingebaut. Zusammen mit dem Austausch der Anlagenzentralen wurden auch die Regelungs- und Steuerungsanlagen erneuert. Die DDC-Automatisierungsstationen wurden in den neu zusammengefassten, zentralen Technikraum der Sporthalle eingebaut. Durch die lüftungstechnischen Maßnahmen sollen jährlich 90.000 kWh Wärmeenergie und 10.000 kWh Elektroenergie eingespart werden.

    Die vorhandene Beleuchtung in den beiden großen Hallen (250 W Hallenstrahler) wurde durch LED-Flächenstrahler ersetzt. Seit Januar 2016 werden die Leuchten zum Zweck der Energieoptimierung tageslichtabhängig über eine Konstantlichtregelung betrieben und bedarfsabhängig über Präsenzmelder geschaltet. Durch die Implementierung von innovativen, in ein KNX-Feldbussystem integrierten Lichtregelsystemen, die ein nutzungsgerechtes Schalten, Steuern und Regeln der Beleuchtungsanlage ermöglichen, wurden die entsprechenden Voraussetzungen für einen Strom und Kosten sparenden Betrieb geschaffen. In der Fechthalle, den Fluren, Gängen und Räumen des Sanitärtraktes wurden die vorhandenen Leuchtstoff- und Glühlampen durch LED-Einbau-Downlights und LED-Deckeneinbauleuchten ersetzt. Die beleuchtungstechnischen Maßnahmen werden den Stromverbrauch in der Sporthalle um jährlich 115.000 kWh reduzieren.

    Über die geplante Nutzungsdauer der Beleuchtung werden CO2-Emissionen in Höhe von geschätzt 1.300 Tonnen vermieden.

    In die Ende Februar 2016 erfolgreich abgeschlossene energetische Sanierung der Sporthalle des Sportgymnasiums Jena wurden insgesamt 1,1 Mio. Euro investiert. Für die Eliteschule des Sports haben sich die Nutzungsbedingungen deutlich und nachhaltig verbessert.

    Gewinnen werden künftig Alle!

    Ausblick

    Die inzwischen vorliegenden vielfältigen Erfahrungen mit der Konzeption, der Umsetzung und dem Betrieb von Energieeffizienzlösungen unterstützen die erfolgreiche Umsetzung laufender und künftiger Projekte im Landesbau, beispielsweise im Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen, an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena oder an der Hochschule Nordhausen. Kontinuierlich werden energetisch auffällige Gebäude überprüft und weitere geeignete Effizienzmaßnahmen vorbereitet.

    Projektbilder

     

     

     

  • Photovoltaik

    Landtagsbeschluss

    Der Thüringer Landtag hat am 2. September 2016 den Beschluss „Photovoltaikanlagen für landeseigene Immobilien“ gefasst.

    Mit diesem Landtagsbeschluss wird die Landesregierung insbesondere aufgefordert, alle geeigneten Dächer landeseigener Immobilien unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit mit Photovoltaikanlagen in Eigenregie und ausgelegt auf den Eigenverbrauch im Gebäude nachzurüsten.

    Zielrichtung ist die wirtschaftliche Nutzung dezentral erzeugter, umweltfreundlicher und bezahlbarer erneuerbarer Energie, die ausgelegt auf den Eigenverbrauch die Stromversorgung der Landesgebäude zumindest teilweise deckt.

    Erneuerbare Energien sollen die natürlichen Ressourcen schonen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Gleichzeitig soll die regionale Wertschöpfung dauerhaft erhöht und die örtlichen Stromnetze entlastet werden.

    Zur Umsetzung des Landtagsbeschlusses 2. September 2016 wurde ein Leitfaden "Photovoltaikanlagen für landeseigene Immobilien" erarbeitet und am 14. Oktober 2020 als technische Arbeitshilfe im Landesbau Thüringen eingeführt.

    Leitfaden "Photovoltaikanlagen für landeseigene Immobilien"

    Photovoltaik-Anlage auf Ministerium erzeugt klimafreundlichen Strom (Medieninformation, 04.05.2022)

     

     

  • Bioenergie

    Die Energiewende betrifft gerade auch den Wärmebereich

    Die im Wärmesektor bestehenden Potenziale sind unter anderem Gegenstand der Klimastrategie der Landesregierung und des „Thüringer Bioenergieprogramms“. Beide greifen diesen Schwerpunkt auf und formulieren anspruchsvolle Ausbauziele. Die Wärmeversorgung in den landeseigenen Gebäuden soll beispielsweise bis 2015 mit 12 % über Bioenergie abgedeckt werden. Mittelfristig ist dieser Anteil auf 15 % zu steigern.

    Vor diesem Hintergrund wurden die in den 1990-er Jahren eingeleiteten Maßnahmen zum Einsatz von Bioenergie im Wärmebereich der Landesgebäude intensiviert. 25 grundsätzlich geeignete Liegenschaften wurden in den zurückliegenden acht Jahren detailliert untersucht, teilweise wiederholt überprüft und analysiert.

    Bis 2017 erhalten neun Landesliegenschaften im Zuge von zehn Einzelmaßnahmen eine nachhaltige Wärmeversorgung über Bioenergie.

    Davon sind acht Einzelprojekte bereits fertig gestellt und in Betrieb. Darunter ist ein Projekt an der Fachhochschule Schmalkalden, das im Rahmen eines langfristigen Wärmeliefer-Contracting durchgeführt wird. Die Sanierung und Erneuerung der Strohheizung in der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena soll Ende 2015 abgeschlossen werden. Das Projekt im Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen befindet sich aktuell in der Planungsphase.

    Projektbilder Bioenergie Jugendvollzugsanstalt (JVA) Goldlauter

     

    Zusammen mit den seit den 1990-er Jahren realisierten Projekten werden im Jahr 2015 insgesamt 51 Landesliegenschaften Bioenergie für Heizzwecke nutzen. 17 GWh bzw. 15,5 % werden dann Wärme aus Bioenergie sein.

    Grafik Jahresw _rme

    Abbildung: Entwicklung des Jahreswärmeverbrauchs aus Bioenergie von 1993 bis 2015

     

    Thüringen baut damit seine Spitzenstellung im Vergleich der landeseigenen Gebäude der Länder weiter aus. Seit 2012 liegt die Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien in den Landesliegenschaften zudem deutlich über dem Vergleichswert für Deutschland. Die im Wärmebereich erreichten Erfolge sind ein konkreter Beitrag zur Energiewende in Thüringen und Deutschland.

    Der biogene Anteil an der Wärmeversorgung wird künftig durch die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien bei mit Nah- bzw. Fernwärme versorgten Liegenschaften und durch Effizienzmaßnahmen im Wärmebereich weiter steigen. Darüber hinaus ist der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung geplant. Großes Effizienzpotenzial besteht durch den Einsatz von kleinen bis mittleren Blockheizkraftwerken, die die Grundlast der Gebäude bei Strom und Wärme decken.

    Auch diese Maßnahmen werden Umwelt und Haushalt entlasten und die Energiewende mitgestalten.

  • Studien und Pilotprojekte

    Musterüberschrift

    Beispiele energieeffizientes Bauen

    Umbau und Sanierung des Sportgymnasiums Oberhof

    Die Eliteschule des Wintersports in Oberhof ist ein nachahmenswertes Modell für nachhaltiges und effizientes Bauen. Die bau- und haustechnische Planung erfolgte auf einem ganzheitlichen Energiekonzept, das in einer frühen Planungsphase aufgestellt und mit allen Beteiligten abgestimmt wurde.                                

    • Durch Austausch einer alten Nachtspeicherheizung in eine hochmoderne Holzhackschnitzelheizung konnten erhebliche  Energiekosten eingespart werden. Gleichzeitig reduzieren sich die klimaschädlichen CO2 Emissionen um jährlich 1600 Tonnen.
    • Die integrierte Solaranlage in der Fassade des neuen Heizhauses nutzt Sonnenenergie für die Bereitstellung von Wärme für  Heizung und Warmwasser.
    • Es gibt mehrere Einzelmaßnahmen, die "versteckt" dazu beitragen, Umwelt und Ressourcen zu schonen. Siehe Projetdokumentation.
    • Das Dach des Internatsanbaus ist vorbereitet für die Installation einer Photovoltaikanlage. Ende 2010 wird die Dachfläche zur Pacht ausgeschrieben.

    Projektdokumentation Sportgymnasium Oberhof 2008

     

    Sanierung des Forstamtes Bad Salzungen

    Das Forstamt Bad Salzungen verwaltet eine Waldfläche von 18.700 ha.
    Es ist Leit- und Beratungsforstamt bei der Förderung der energetischen Holznutzung.

    Neben der Sanierung und Wärmedämmung des Gebäudes erfolgte der Einbau eines leistungs- und feuerungsgeregelten Biomassekessels mit einer Nennwärmeleistung von 40 kW. Der Biomassekessel kann sowohl Pellets als auch Qualitätshackschnitzel bei maximalem Wirkungsgrad und niedrigen Emissionen verfeuern. Durch Einbau eines elektrostatischen Feinstaubfilters, wodurch sich der Feinstaubanteil um 75 % reduziert, wird die verschärfte Emissionsanforderung der Kurstadt Bad Salzungen erfüllt.

    Projektdokumentation Forstamt Bad Salzungen 2009

     

    Allgemeine Bauangelegenheiten Elektrotechnik Studie "Einsparpotentiale durch alternative Beleuchtungskonzepte und Lichtmanagement-Systeme“

    Ergebnisse der Versuchsprojekte FA Pößneck, LWA Zeulenroda und ehem. UWA Sondershausen

    Die Studie „Einsparpotentiale durch alternative Beleuchtungskonzepte und Lichtmanagement-Systeme“ wurde in den Jahren 2000 - 2008 in drei landeseigenen Verwaltungsgebäuden durchgeführt. Im Rahmen dieser Studie wurden Handhabung und Wirtschaftlichkeit von alternativen Beleuchtungslösungen und von Lichtmanagement-Systemen untersucht. Unter realen Bedingungen wurden ausgewählte Lichtmanagement-Systeme über einen längeren Versuchszeitraum getestet. Ziel der Studie war es, die Planungsgrundsätze für Beleuchtungsanlagen in den Landesdienststellen des Freistaates Thüringen fortzuschreiben und zu präzisieren. Die Beleuchtungsanlagen in den Landesdienststellen sollen umwelt- und praxisgerechter ausgeführt werden. Der Primärenergieverbrauch für die Beleuchtung soll deutlich gesenkt werden.
     

    1. Versuchsprojekt Finanzamt Pößneck

    Im Finanzamt Pößneck wurde 2000/2001 das erste der drei Versuchsprojekte durchgeführt.

    Im Versuchsprojekt „Lichtmanagement in den Verkehrswegen des Finanzamtes Pößneck" wurden die Einsparpotentiale durch Tageslichtnutzung und tageslichtabhängige Beleuchtungssysteme in Verkehrswegen untersucht. Dazu wurden in den Verkehrswegen des Verwaltungsgebäudes drei verschiedene Beleuchtungslösungen installiert und über einen Zeitraum von einem Jahr bewertet. Im 1. Obergeschoss wurde eine Konstantlichtregelung und im 2. Obergeschoss eine ungeregelte Flurbeleuchtung jeweils mit festen Betriebszeiten realisiert. Im 3. Obergeschoss wurde eine ungeregelte Flurbeleuchtung ohne feste Betriebszeiten ausgeführt. Die Messergebnisse und Auswertungen zeigen, dass

    · Tageslicht in Verkehrswegen den Stromverbrauch der Allgemeinbeleuchtung deutlich senkt,

    · Lichtregelung zu Einsparungen beim Stromverbrauch für die künstliche Beleuchtung führt,

    · Oberlichter bzw. transparente Öffnungen in Flurtrennwänden die Gleichmäßigkeit des Tageslichtes in den Fluren deutlich erhöhen,

    · Nutzer die gleichmäßige natürliche Belichtung der Verkehrswege positiv bewerten und auch bei geringeren Beleuchtungsstärken auf die künstliche „Zusatz"-Beleuchtung verzichten sowie

    · Einsparungen durch Tageslicht und Nutzerverhalten die Verbrauchsreduzierungen durch Lichtregelsysteme deutlich übertreffen können.

    Abschlussbericht Lichtmanagement Finanzamt Pößneck 2001 

     

    2. Versuchsprojekt Landwirtschaftsamt Zeulenroda

    Das zweite Versuchsprojekt wurde Ende 2004 im Landwirtschaftsamt Zeulenroda abgeschlossen.

    Im Rahmen des 2003/2004 im Landwirtschaftsamt Zeulenroda durchgeführten Versuchsprojektes wurde die Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit von zwei praxisrelevanten Beleuchtungslösungen in Büroräumen untersucht und bewertet. Die technische Lösung in den Büros im 1. Obergeschoss erlaubt, die Bürobeleuchtung tageslicht- und präsenzabhängig zu regeln. Die Beleuchtung im 2. Obergeschoss wurde klassisch ausgeführt. Sie ist ungeregelt und manuell ein- bzw. auszuschalten. Die Auswertung dieses Versuchsprojektes zeigt, dass

    · über den Projektzeitraum von einem Jahr im 1. Obergeschoss 2 % Elektroenergie im Vergleich zum 2. Obergeschoss eingespart wurden,

    · das automatische Einschalten der Beleuchtung beim Betreten des Raumes besonders ineffizient ist und die Brenndauer der Beleuchtung deutlich verlängert,

    · der Eigenverbrauch der Beleuchtungsregelung und des BUS-Systems den Wirkungsgrad der Beleuchtungsregelung verschlechtert,

    · der Tageslichtquotient der Räume maßgeblich durch Gebäude- und Fassadenentwurf bestimmt sind und Vorhangfassaden das verfügbare Tageslicht in den Räumen reduzieren und

    · die Akzeptanz des Nutzers für das Lichtmanagement dessen störungsfreie und praktikable Funktion voraussetzt.

    Abschlussbericht Lichtmanagement Landwirtschaftsamt Zeulenroda 2004 

     

    3. Versuchsprojekt Verwaltungsgebäude am Petersenschacht in Sondershausen

    Im Verwaltungsgebäude am Petersenschacht in Sondershausen (ehem. Staatliches Umweltamt) wurden zwei Lichtmanagementlösungen in Büroräumen untersucht. Dabei wurden die umfangreichen Erfahrungen aus den beiden Versuchsprojekten im Finanzamt Pößneck und Landwirtschaftsamt Zeulenroda berücksichtigt.

    Neu bei diesem Versuchsprojekt war, dass über Änderungen der Programmierung etagenweise zwei unterschiedliche Betriebsmodi genutzt werden konnten. Während der ersten Messperiode im Zeitraum 08/2005 - 07/2006  wurde die klassische, ungeregelte, manuell ein- bzw. auszuschaltende Beleuchtung im EG mit der tageslicht- und präsenzabhängigen Beleuchtungssteuerung im 1. OG verglichen. Vor Beginn der 2. Messperiode im Zeitraum von 02/2007 bis 02/2008 wurden die Betriebsmodi in beiden Etagen getauscht, d. h. im EG wurde jetzt die Beleuchtung tageslicht- und präsenzabhängig geregelt und im 1. OG das Licht klassisch geschaltet. Folgende Ergebnisse wurden erzielt:

    • Der Energieverbrauch im 1. OG lag in der ersten Messperiode knapp 42 % unter dem im EG.
    • Auch in der 2. Messperiode lag der Energieverbrauch im 1.OG niedriger als im EG (7,4 %)
    • Ein Vergleich der Verbräuche je Etage über beide Messzeiträume belegt Einsparungen durch Lichtmangement. Im Vergleich beider Jahre beträgt die Einsparung durch Lichtmanagement im EG 447 kWh bzw. 24 % sowie im 1. OG 243 kWh bzw. ca. 18,5 %.
    • Die Ursachen für die Verbrauchsdifferenzen in beiden Versuchszeiträumen sind nicht eindeutig. Es überlagern sich mehrere Einflüsse. Dazu zählen auch die Lage der Etagen (natürliche Belichtung) und die Unterschiede im individuellen Verhalten der einzelnen Nutzer.
    • Die Effizienz von Lichtmanagementsystemen kann durch gute Planung und Betreibung verbessert werden.
    • Lichtmanagementsysteme sind keine „Plug and Play“-Systeme.

    Abschlussbericht Lichtmanagement Petersenschacht Sondershausen 2006 

     

    Auswertung

    Alle drei Versuchsprojekte zeigen, dass die tageslichtabhängige Regelung der Beleuchtung in Verkehrswegen und Büroräumen derzeit noch nicht wirtschaftlich darzustellen ist. Lichtregelung hilft Energie zu sparen, jedoch nicht in dem prognostizierten und gewünschten Umfang.

    Lichtmanagementsysteme für eine präsenzabhängige und tageslichtabhängige Regelung der Bürobeleuchtung sind keine „Selbstläufer“. Bei Inbetriebnahme von Lichtregelsystemen tritt ein erhöhter personeller Aufwand auf. Für die bestimmungsgemäße Funktion der Lichtregel- und -steuersysteme sind mehrere Messungen, Abgleiche und Einregulierungen erforderlich. Schlussfolgernd sollte vor der Abnahme entsprechender Leistungen ein ausreichender, realitätsnaher Testbetrieb durchgeführt werden.

     

     

     

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