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Nachhaltiges Bauen

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat einen neuen Leitfaden Nachhaltiges Bauen entwickelt und im Zuständigkeitsbereich des BMVBS eingeführt.

Der Leitfaden des BMVBS gibt allgemeingültige Grundsätze und Methoden des nachhaltigen Bauens wieder. Er bietet sich damit auch zur Nutzung für andere Bauherren an – wie die Länder, die Kommunen oder die Privatwirtschaft. Thüringen hat diesen Leitfaden bereits auf Landesebene in seinen „Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Freistaats Thüringen (RLBau)“ verankert.

Das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr hat mit dem Neubau des Hörsaal- und Laborgebäudes für die Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der Fachhochschule Erfurt an der Pilotzertifizierung des BMVBS für das neue Bewertungssystem „BNB Unterrichtsgebäude“ teilgenommen. Für den Staatlichen Hochbau Thüringens ist dieser Neubau das erste Gebäude, das hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit bewertet und zertifiziert wurde (Pilotprojekt).

 Über das Informationsportal Nachhaltiges Bauen des BMVBS werden breit gefächerte Informationen zum nachhaltigen Bauen zur Verfügung gestellt wie allgemeine Erläuterungen und Hinweise, Angaben zum BNB-Bewertungssystem, Datengrundlagen zur Nachhaltigkeitsbewertung, Darstellung von guten Beispielen, etc.

Informationsportal Nachhaltiges Bauen

Pilotzertifizierung im Landesbau

Pilotzertifizierung für den Neubau des Hörsaal- und Laborgebäudes der Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der FH Erfurt

Hintergrund

Nach Einführung des „Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), Systemvariante „Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude“ im Bundesbau entwickelte das Bundesbauministerium mit wissenschaftlicher Unterstützung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sukzessive weitere Systemvarianten – unter anderem auch für Unterrichtsgebäude. Dabei galt es, vor Einführung eines neuen Systems zunächst die Praxistauglichkeit und Überarbeitungsbedarf festzustellen. Im Zuge eines „Zukunft-Bau-Forschungsprojektes“ wurde die Entwurfsversion 2011 der BNB-Systemvariante „Neubau Unterrichtsgebäude“ im Rahmen einer bundesweiten Pilotzertifizierung an sieben Projekten erprobt. Das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr beteiligte sich hierbei mit dem Neubauprojekt Hörsaal- und Laborgebäudes für die Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der Fachhochschule Erfurt (Standort Leipziger Straße), denn für die bauliche Erweiterung des „Grünen Campus“ hatte die Fachhochschule gezielt Anforderungen an die Nachhaltigkeit gestellt – dabei insbesondere hinsichtlich der Energieeffizienz und des Einsatzes erneuerbarer Energien.

Start der Pilotzertifizierung war im Herbst 2011. Die Bewertung des von dem Dortmunder Architekturbüro Gerber Architekten entworfene FH-Projekts wurde im Frühjahr 2013 abgeschlossen und die Zertifizierungs-Urkunde im August 2013 vom Bundesbauministerium ausgestellt. Im Staatlichen Hochbau Thüringen ist dies das erste Projekt, das einer Nachhaltigkeitsbewertung unterzogen wurde.

Bilder  (Quelle: TMIL, Staatlicher Hochbau) 

Ergebnisse der Nachhaltigkeitszertifizierung

Das Neubauprojekt Hörsaal- und Laborgebäude für die Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der Fachhochschule Erfurt erzielte ein Gesamterfüllungsgrad von 72,9 % mit der Gesamtnote 1,74.

Grafik Gesamterfüllungsgrad

In den 5 Hauptkriteriengruppen wurden folgende Ergebnisse erzielt:

Hauptkriterien

Bei der Standortbewertung, die nur informativen Charakter hat, wurde ein Erfüllungsgrad von 64 % erzielt.

Unter den sieben Projekten der Pilotphase nahm das FH-Projekt bei der Gebäudebewertung die Spitzenstellung ein.

Von der BBRS-Konformitätsprüfstelle wurden folgende besonderen Nachhaltigkeitsmerkmale herausgestellt (Zitat aus der Urkunde):

• Allgemein
Die Fachhochschule Erfurt hat sich für den Standort Leipziger Straße als Ziel die Realisierung eines C02-neutralen Campus gesetzt. Auftakt hierfür ist das neue Hörsaal- und Laborgebäude, das als Modellprojekt im Rahmen der Förderinitiative „EnOB – Forschung für Energieoptimiertes Bauen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom IBIT – INIT Bautronic Institut der Fachhochschule Erfurt wissenschaftlich begleitet wurde. Der Neubau ist mehr als ein Ort der Wissensvermittlung. Er eignet sich zudem als Anschauungsobjekt für Studierende im Sinne einer pro-jektorientierten, den Prinzipien der Nachhaltigkeit verpflichteten Lehre.

• Energetische Qualität
Eine sehr effiziente Maßnahme zur Primärenergieeinsparung ist der Einsatz einer Adsorptions-wärmepumpe, die über Fernwärme angetrieben wird und die vorhandenen Regenwasserzisternen als regenerative Wärmequellen und wärmesenken nutzt. Die Wärmeüber-tragung in den einzelnen Räumen erfolgt mittels abgehängter thermoaktiver Deckenelemente für Heiz- und Kühlbetrieb (Bauteilaktivierung).

• Nutzerrelevante Qualitäten
Das Gebäude zeichnet sich durch eine hohe thermische Behaglichkeit aus, für die u a. die Minimierung der Zugluft durch die Lüftungsanlage und ausgewogene Strahlungstemperaturen der beheizten und gekühlten Bauteile entscheidend sind. Die sehr gute Tagesbelichtung und der Fensterflächenanteil in den Hauptfunktionsräumen tragen zum visuellen Komfort, zur Aufenthaltsqualität und auch zur Vandalismusprävention bei. Insgesamt zeigt sich in der nutzungsfreundlichen Innen- und Außenraumqualität, dass die Bedürfnisse der Nutzer ein Schwerpunkt der Planung war. Dabei wurden Aspekte der Einflussnahme an Raumnutzung, Nutzungsflexibilität und Zugänglichkeit durch die Öffentlichkeit in hohem Maße berücksichtigt.

•  Prozessqualitäten
Die überdurchschnittliche Planungs- und Bauausführungsqualität ist vor allem auf die frühe Zielsetzung einer hohen Gebäudequalität hinsichtlich der Energieeffizienz und der damit verbundenen EnOB-Förderung zurückzuführen. Wie bei allen EnOB-Modellprojekten wird das Gebäude mit der Inbetriebnahme einem intensiven wissenschaftlichen Monitoring unterzogen. Im Zuge dessen werden beispielsweise die ökonomische und primärenergetische Wirkweise der Adsorptionswärmepumpe, die Abwärmenutzung aus der zentralen EDV-Technik und den Raumnutzungen sowie die Nutzerzufriedenheit eingehend untersucht.                                                                                                                                                                                                                                                

• Projektbeschreibung
Das neu errichtete Hörsaal- und Laborgebäude ist ein Erweiterungsbau auf dem ca. 13 ha großen Areal der Fachhochschule Erfurt am Standort Leipziger Straße. Der dreigeschossige Bau ist Bestand-teil der Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst. Die Verknüpfung von Gebäude und Landschaft und die Einbindung des Neubaus in die bestehenden Strukturen sind Grundlage für die architektonische Entwurfskonzeption. Die Erweiterung wurde nördlich der Bestandsgebäude errichtet und bildet mit diesen ein zusammenhängendes Ensemble. Ein langgestreckter eingeschossiger Bau verbindet den schlichten, kubischen Neubau mit den beiden Altbauten. Um den neuen Baukörper gegenüber den Bestandsgebäuden hinsichtlich seines Volumens in idealen Proportionen darzustellen, wurde ein Untergeschoss entwickelt, das im südlichen Teil abgegraben wurde. Das Gebäude ist als zweibündige Anlage konzipiert, in die die Hörsäle als herausragende Volumen eingeschoben sind.

Im Inneren sind zwei Hörsäle, zwei Planungslabore, ein Computerpool sowie Arbeitsräume für Profes-soren untergebracht, zudem kann eine Dachterrasse genutzt werden. Die zwei- bis dreigeschossige Erschließungshalle ist für eine multifunktionale Nutzung konzipiert und bezieht den vorgelagerten Hof mit ein. Die meisten Aufenthaltsräume orientieren sich mit großzügigen Öffnungen nach Norden und Osten.

Das Gebäude wurde in Stahlbetonbauweise mit tragenden Wand-, Decken- und Dachscheiben errich-tet. Die Außenwände sind mit einer vorgehängten Putzfassade verkleidet. Der Verbindungsbau ist ein Stahlbetonskelettbau mit vorgehängter Stahl-Glas-Fassade. Bei diesem Projekt wurden innovative Ansätze zur Energieeffizienz mit dem Fokus auf einen abgestimmten Mix verschiedener Technologien umgesetzt − insbesondere unter dem Einsatz erneuerbarer Energien.

Mit einem Primärenergiebedarf von 60 kWh/m²a wird die zum damaligen Planungszeitraum relevante EnEV 2007 um rund 70 % unterschritten. Bezogen auf die EnEV 2009 beträgt die Unterschreitung immerhin noch 53 %.

Projektdaten

• Kosten: Gesamtbaukosten 6,5 Mio. Euro
• Ablauf: Planungsbeginn 2007; Bauausführung Mai 2010 bis Ende 2012; Inbetriebnahme Februar 2013
• Planungsdaten: Nutzfläche: 1.125 m²; Brutto-Grundfläche: 2.246 m²; Brutto-Rauminhalt: 8.923 m³
• Kapazitäten: Großer Hörsaal: 106 Plätze; Kleiner Hörsaal: 72 Plätze; Computerpool: 24 Plätze, Planungslabore im EG und OG: je 30 Plätze; 15 Büros

(Referat 24 – April 2014)

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